WER BITTET, DER EMFÄNGT
GEN 18,20-32 | PS 138 | KOL 2,12-14

Wie kleine Kinder bitten die Jünger Jesus: Lehre uns beten! Zeig uns, wie das geht! Und wie so oft, gibt Jesus nicht eine einfache, eindimensionale Antwort. Ja, in diesem Evangelium (Lk 11, 1-13) gibt er ihnen etwas „Äußerliches“, Worte, das Vaterunser – aber eben nicht nur. Jesus geht es in seiner ganzen Verkündigung immer darum, dass „Außen“ und „Innen“ einander entsprechen. Ebenso wenig wie einen ent-leerten Gesetztesgehorsam, will Jesus ein leeres Beten. Ebenso wichtig wie die Worte, die Jesus seinen Jüngern beibringt, ist die Haltung, mit der sie beten sollen: mit Vertrauen. Es ist kein blindes Vertrauen, zu dem Jesus seine Jünger auffordert. Er erklärt es wieder einmal mit einem Gleichnis, damit wir es auch verstehen: Jedermann hilft doch seinem Freund, wenn er in Not ist, auch mitten in der Nacht, auch wenn es nicht „überlebenswichtig“ ist. Oder? Wer ein Freund ist, der hilft. Warum? Weil zum Freund-Sein dazugehört, dem anderen Gutes zu wollen und – soweit möglich – Gutes zu tun. Und von hier ist es nur noch ein Schritt: Auch wenn wir uns Gott nicht ganz leicht als „Freund“ vorstellen können (weil er eben so anders ist und für uns nicht sichtbar), so glauben wir doch fest, dass er gut ist: gut in jeder Hinsicht; und dass er uns Gutes will. Warum sollte er es dann nicht tun? Und hier geht Jesus noch weiter: Gott ist doch nicht „nur“ ein Freund für uns, sondern er ist unser Vater, wir sind seine Kinder. Er kann doch gar nicht anders, als uns alles geben, was er hat: den Heiligen Geist.

Jesus gibt keine eindimensionale Antwort, sondern sozusagen eine dreidimensionale: Er gibt uns etwas Äußerliches, Worte, mit denen wir beten sollen. Er lehrt uns die innere Haltung, mit der wir beten sollen. Und er zeigt uns, wer wir sind: Kinder Gottes, beseelt von seinem Geist. Wenn wir das letzte verstanden haben, dann werden wir auch die Worte im Vaterunser anders beten. Und für die Zwischenzeit: Vertrauen! Wer bittet, der empfängt.


Martin Grandinger O.P. - - Österreich (wszystkie teksty tego autora)

     


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